Gerne dürfen wir Ihnen mitteilen, dass IHR LABOR zur raschen und differenzierten Abklärung klinisch suspekter Herpesvirus-Infektionen die molekularbiologische Diagnostik von Herpes simplex-Virus Typ 1 (HSV-1), Herpes simplex-Virus Typ 2 (HSV-2) sowie Varizella-Zoster-Virus (VZV) mittels Real-Time-PCR anbietet. Die Untersuchung erfolgt aus Abstrichmaterial von Haut- und Schleimhautläsionen.
HINTERGRUND UND KLINISCHE BEDEUTUNG
Infektionen mit HSV-1 und HSV-2 zählen zu den häufigsten viralen Erkrankungen der Haut und Schleimhäute. Historisch wurde HSV-1 vorwiegend mit orolabialen Infektionen und HSV-2 mit genitalen Manifestationen assoziiert. Mittlerweile zeigt sich jedoch eine weitgehende Durchmischung der Manifestationsorte, sodass beide Virustypen sowohl im Gesichts- als auch im Genitalbereich auftreten können. Das Varizella-Zoster-Virus verursacht Primärinfektionen im Sinne der Varizellen (Syn. Windpocken, Feuchtblattern) sowie Reaktivierungen als Herpes Zoster.
Die klinische Differenzierung zwischen HSV-1, HSV-2 und VZV ist insbesondere im Frühstadium oder bei atypischer Präsentation häufig nicht eindeutig möglich. Die PCR ermöglicht einen hochsensitiven und spezifischen Direktnachweis viraler DNA aus Läsionen, auch bei geringer Viruslast oder bereits begonnener antiviraler Therapie.
Die rasche ätiologische Zuordnung ist wesentlich für Therapieentscheidungen, Prognoseabschätzung und infektiologische Beratung.
KLINISCHE INTERPRETATION
Ein positiver PCR-Nachweis bestätigt das Vorliegen einer aktiven lokalen Infektion mit dem jeweiligen Virus.
Die Differenzierung zwischen HSV-1 und HSV-2 ist insbesondere bei genitalen Infektionen von Bedeutung. Genitale Infektionen durch HSV-2 sind mit einer höheren Rezidivrate verbunden. Die Typisierung erlaubt daher eine realistischere Einschätzung des Krankheitsverlaufs sowie eine differenzierte Beratung hinsichtlich Übertragungsrisiko und antiviraler Therapie (besonders relevant für immunsupprimierte Patient*innen).
Ein positiver VZV-PCR-Nachweis aus einer Hautläsion bestätigt das Vorliegen einer aktiven Varizella-Zoster Virus-Infektion. In der hausärztlichen Praxis betrifft dies in der Regel eine Reaktivierung im Sinne eines Herpes Zoster mit dermatombezogenem, einseitigem Bläschenausschlag. Die molekulare Bestätigung ist insbesondere bei atypischer Lokalisation, diskretem Hautbefund oder bei immunsupprimierten Patient*innen von diagnostischem Nutzen. Bei unklarem vesikulärem Exanthem erlaubt die PCR zudem eine sichere Abgrenzung gegenüber einer HSV-Infektion, da sich das klinische Erscheinungsbild – insbesondere im Gesichtsbereich oder an den Extremitäten – überschneiden kann.
Bei entsprechendem klinischem Verdacht kann ergänzend eine serologische Untersuchung (HSV-1/HSV-2- bzw. VZV-Antikörper) zur Beurteilung des Immunstatus sinnvoll sein. Die diagnostische Einordnung sollte stets in Zusammenschau von Klinik, PCR und gegebenenfalls Serologie erfolgen.
GEEIGNETE EINSATZGEBIETE FÜR DIE HSV- UND VZV-PCR
- Bläschen oder Erosionen im Bereich der Lippen (Herpes labialis)
- Läsionen der Mundschleimhaut oder perioral
- Genitale Läsionen im Vaginalbereich, an Vulva, Penis oder perianal
- Schmerzhaftes, einseitiges Exanthem am Rumpf, Thorax oder im Gesichtsbereich bei Verdacht auf Herpes Zoster
- Atypische Hautveränderungen unklarer Genese
- Infektionen bei immunsupprimierten Patient*innen
Wir sind überzeugt, dass die PCR-Diagnostik eine verlässliche und rasche Differenzierung von HSV-1, HSV-2 und VZV ermöglicht und damit eine wesentliche Unterstützung im klinischen Alltag darstellt.